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Ständig unter Druck
Zahntechniker: Zähne leisten Schwerstarbeit und brauchen Pflege
Von Manuela Blisse und Uwe Lehmann
(23.03.2007) Etwa achtzehn Tonnen Lebensmittel kaut der Mensch in seinem Leben. Das sind theoretisch 10 000 Hähnchen oder ein viereinhalb Kilometer langer Brotlaib. Um die Nahrung zu zerkleinern, sind die Zähne extremen Kräften ausgesetzt. Pro Quadratzentimeter liegt die Kaudruckbelastung bei etwa zwanzig Kilogramm, bei den Backenzähnen mit rund 50 Kilo im Schnitt noch deutlich höher.

Lässt man sich diese Zahlen auf der Zunge zergehen, wird eines schnell klar. Wer soviel kaut, muss auch einen funktionierenden Kauapparat haben. Ohne eine ordentliche Wartung, Hege und Pflege funktioniert das nicht. Ober- und Unterkiefer sind dem Menschen als "Hardware" mit auf den Weg gegeben, ihr Miteinander funktioniert nach dem Reißverschlussprinzip. Oder wie eine Gruppe von 18 Leuten, die dicht nebeneinanderstehen, und sich gegenseitig unter die Arme greifen, um sich zu schützen und zu stützen. Zudem gibt es die "Software". Bei ihr dreht sich alles um das Miteinander von Sensoren in Mund und Gehirn. Das Zusammenspiel muss stimmen. Sensoren und Hirn stehen über Nervenverbindungen in engem Kontakt. "Wenn man beispielsweise auf einen Kirschkern beißt, reagiert das System vollautomatisch", nennt Landesinnungsmeister der Zahntechniker-Innung Berlin, Karlfried Hesse, als Beispiel. "Man öffnet automatisch den Mund, das senkt die Kau-Energie und schützt die Zähne." Probleme bei Hard- wie Software, egal, ob etwa Zahnlücke oder Zahnfleischentzündung, wirken sich auf das gesamte Kauorgan aus.
Zahnärzte und Zahntechniker müssen eigentlich gar nicht mit dem Zeigefinger drohen, um auf die Probleme, die Zähne machen können, hinzuweisen. Alleine die Vorstellung, morgen möglicherweise nicht mehr kraftvoll in einen Hühnerschenkel oder eine Stulle beißen zu können, sollte bei mündigen Patienten den regelmäßigen Gebiss-Check umgehend zur persönlichen Chefsache machen.
Aus der Berliner Morgenpost vom 23. März 2007


