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Körperliche Beschwerden – Ursache oft im Mund

Körperliche Beschwerden – die Ursache liegt oft im Mund

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Stefan Kopp, J. W. Goethe Universität, Frankfurt

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sich vor zwei Jahren das Thema „ZahnMEDIZIN − interdisziplinär„ gewählt hat.

Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates stellen aktuell ein bedeutsames Krankheitsbild dar. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Patienten, die an Funktionsstörungen und Schmerzen leiden, drastisch erhöht. Das Phänomen ist schon sehr lange bekannt. Der HNO-Arzt Costen hat bereits in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts darauf hingewiesen, dass Zähne und der Zusammenbiss dieser Zähne etwas mit der Befindlichkeit im gesamten Bewegungssystem und mit Schmerzen im gesamten Körper zu tun hat. Abbildung 1 zeigt eine Umzeichnung der Zusammenhänge, die Costen schon vor 80 Jahren sah.

In der vorliegenden Grafik ist gut zu erkennen, dass die Funktionen nicht nur auf eine Ebene − z. B. die Kopfebene, die Halsebene oder die Hüftebene beschränkt bleibt − sondern, symbolisiert durch grüne Bindegewebshäute (Faszien) und Muskelzüge, im gesamten Körper weitergeleitet wird. Auf der Basis dieses einfachen Modells kann man sich vorstellen, dass Kräfte, die durch ungünstige Funktionen im Nackenbereich auftreten, zum einen nach vorne in den Zahnbereich, aber auch nach unten über die Schulter und das Becken bis zur Fußsohle weitergeleitet werden. Das ist zum Beispiel beim schiefen Sitzen über einen langen Zeitraum vor einem Computerbildschirm der Fall.

Es ist auch verständlich, dass Kräfte, die durch Knirschen oder Pressen − was etwa durch psychische Spannungssituationen hervorgerufen und dauerhaft unterhalten werden kann − mit dafür verantwortlich sein können, dass sich die Zahnhartsubstanz verändert und der Zahnhalteapparat umgebaut wird. Auch wenn Zahnerkrankungen und Zahnlücken in der Meinung der Bevölkerung oft als „Bagatellschäden„ gelten, ist das aus wissenschaftlicher Sicht jedoch grundsätzlich falsch.

 

 

In Abbildung 2 erkennt man Befunde im Bereich des Schädels – im Bereich des so genannten craniomandibulären Systems (CMS) – die auftreten können, wenn Zähne und Zahnersatz nicht in Balance sind. Darüber hinaus können sich diese Störungen weit entfernt von der eigentlichen Ursache an ganz anderer Stelle des Bewegungsapparates auswirken.

 

 

Die schlechten Funktionen breiten sich unter dem Faktor Zeit (1) über Muskelzüge und (2) über gestörte Spannungen der Bindegewebshäute (Faszien) zunächst auf die Ebene der Halswirbelsäule aus. Das dann gestörte System nennt man craniocervikales System (CCS). Eine craniocervikale Dysfunktion (CCD) beschreibt also die Störungen im Hals-/Nackenbereich.
Über die Brustwirbelsäule können dann auch die Lendenwirbelsäule und die Hüftregion direkt negativ beeinflusst werden.

Chronische Rückenschmerzen, ständiges Kopfweh: Wer denkt dabei schon an die Zahnlücke im Mund oder ans Zähneknirschen in der Nacht? Die Ursachen für die andauernden Beschwerden können jedoch durchaus im Mund liegen. Die funktionellen Zusammenhänge sind nunmehr klar. Anzufügen bleibt, dass diese Wege der Weiterleitung von Dysfunktionen und Schmerzen nicht nur vom Kopf zu den Fußsohlen ziehen können, sondern auch − wenngleich wesentlich weniger bedeutsam − in umgekehrter Richtung von der Fußsohle bis zum Schädel Einfluss haben können.
Damit wird die häufig gestellte Frage, was der Zahnarzt bzw. der Kieferorthopäde bei Kopfschmerz, Migräne und Hüftbeschwerden tun kann, schon beantwortet: Der Zahnarzt kann durch eine zielgerichtete Behandlung der Zähne und des Zusammenbisses der Zähne gemeinsam mit dem Kieferorthopäden, der sich um die richtige Stellung der Zähne im Kiefer und die Stellung der Zähne zueinander sowie um die korrekte Größe und korrekte Lage der Kiefer zueinander kümmert, direkt auf die Funktionen des Bewegungsapparates Einfluss nehmen. So lassen sich Dysfunktionen und Schmerzen auch an weit vom Zahnsystem entfernten Stellen des Körpers positiv mitbeeinflussen.

Mund- und Allgemeingesundheit lassen sich nicht voneinander trennen! „Teamwork„ ist daher auch bei der Entscheidung für eine geeignete Schmerztherapie gefragt: Durch die fachübergreifende Zusammenarbeit mit Orthopäden, Manualmedizinern und Osteopathen, aber auch mit Allgemeinmedizinern, Hals-, Nasen-, Ohrenärzten, Neurologen und Psychosomatikern können betroffene Patienten häufig dauerhaft von ihren Beschwerden befreit werden.

Das Team Zahnarzt/Kieferorthopäde und Zahntechniker ist in einem derart zusammengesetzten interdisziplinären Expertenkreis oft die zentrale Schaltstation für die Organisation und Durchführung der Diagnostik und Therapie.

Das bedeutet:
Schmerzfrei in guter Funktion leben − mit der richtigen Therapie
von Zahnarzt/Kieferorthopäde und Zahntechniker,
manchmal auch im Rahmen einer interdisziplinären Arbeitsgruppe.

Quelle: www.kuratorium-perfekter-zahnersatz.de.

 

 

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