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Ideen für Zahnersatz mit Perspektive!

Krone, Brücke und Prothese: Ideen für Zahnersatz mit Perspektive!

Professor Dr. Helmut Stark, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und
Werkstoffwissenschaften, Universität Bonn

Der Zahnarzt muss bei seinen Behandlungsmaßnahmen nicht nur die zunehmende Multimorbidität seiner immer älter werdenden Patienten berücksichtigen, sondern auch deren gerostomatologischen Bedürfnissen hinsichtlich der individuellen Gebiss-Situation, der eingeschränkten Geschicklichkeit, des Sehvermögens und der reduzierten Adaptationsfähigkeit gerecht werden. Im Folgenden wird deutlich, welche zahnärztlich-prothetischen Behandlungsverfahren sich für ältere Menschen besonders eignen.

Anforderungen an Zahnersatz für ältere Menschen: Kaukomfort bei optimierter Ästhetik

Heute sollten zahnärztlich-prothetische Behandlungskonzepte für den älteren Patienten angewandt werden, die nicht nur die oralen Strukturen vor vorzeitiger Schädigung bewahren, sondern auch dem älteren Menschen mehr Kaufunktion und Kaukomfort bei optimierter Ästhetik bieten: Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter. Der Zahnmedizin ist es möglich, mit entsprechenden Therapiemitteln den Patienten soweit wiederherzustellen, dass er zufriedenstellend kauen kann. Während die Vorbeugung von Karies und parodontalen Erkrankungen der Pfeilerzähne durch hygienefähige Gestaltung des Zahnersatzes eine zentrale Rolle bei der prothetischen Rehabilitation von Patienten aller Altersgruppen spielen, ist bei älteren Patienten besonders auf eine Stabilisierung des Restgebisses, Erhalt des gegebenenfalls vorhandenen Prothesenlagers und die Erweiterbarkeit des Zahnersatzes zu achten. Wesentliche Voraussetzungen für den dauerhaften Behandlungserfolg sind nach aktuellen Erkenntnissen insbesondere die parodontalhygienische Gestaltung von Zahnersatz sowie eine regelmäßige Plaquekontrolle und Nachsorge. Zahnersatz für ältere Menschen sollte daher für Mund- und Zahnersatzhygienemaßnahmen gut zugänglich und einfach zu handhaben sein.

Festsitzender Zahnersatz: das Therapiemittel der Wahl

Zur oralen Rehabilitation sollte auch beim älteren Menschen festsitzender Zahnersatz das Therapiemittel der Wahl sein, er ist gegenüber herausnehmbaren Zahnersatz zu bevorzugen. Mit Prothesen wird prinzipiell immer mehr Zahnersatzmaterial in die Mundhöhle eingesetzt als ursprünglich an natürlichen Zähnen vorhanden war. Für den Patienten bedeutet das Einschränkungen bezüglich des Kaukomforts. Neben der Restauration einzelner Zähne mit Kronen ist die Versorgung mit Brücken indiziert, sofern es das Gebiss insgesamt zulässt. Kronen und Brücken sind wesentliche Elemente zur Wiederherstellung und Sicherung im Sinne der Erhaltung der Kaufunktion.

Neben den klassischen Anwendungsempfehlungen sollte für den älteren Patienten eine gesicherte Hygiene- und Nachsorgemöglichkeit bei prognostisch günstig einzuschätzenden Pfeilern gegeben sein. Mit zunehmend greifenden Prophylaxemaßnahmen werden auch bei älteren Menschen in Zukunft mehr Zähne erhalten bleiben, was ein Umdenken bezüglich des festsitzenden Zahnersatzes notwendig macht.

Anhand von Patientenfällen wird im Vortrag die Frage diskutiert, ob und in welchem Maße Lücken mit festsitzenden Brücken geschlossen werden sollen. Während mit festsitzendem Zahnersatz in der Regel zusätzliche Nischen für Beläge und den dabei auftretenden Problemen für die Reinigung - gerade für den älteren Menschen - geschaffen werden, stellt sich der herausnehmbare Zahnersatz diesbezüglich günstiger dar.

Herausnehmbarer Zahnersatz hat Vor- und Nachteile

Im Folgenden soll herausnehmbarer Zahnersatz für den älteren Patienten behandelt werden. Ausgehend von der einfachen klammerverankerten Prothese über den kombiniert festsitzend-herausnehmbaren Zahnersatz bis hin zu implantatgestützten Prothesen werden deren Anwendungsbereiche, Vor- und Nachteile und die Möglichkeiten zur Versorgung des häufig reduzierten Gebisses bei Senioren erörtert.

Modellgussprothese – schonend durch gering-invasives Vorgehen

Bei der Modellgussprothese handelt es sich um herausnehmbaren und überwiegend auf den Zähnen abgestützten Zahnersatz, dessen Halte-, Stütz-, Verbindungs- und Basiselemente in einem Stück aus einer mundbeständigen Legierung gegossen werden. Die Modellgussprothese stellt die einfachste Form des herausnehmbaren Zahnersatzes für den älteren Patienten dar, der dauerhaft tragbar ist. Eingesetzt werden kann diese Prothese im reduzierten Lückengebiss immer dann, wenn Brücken aufgrund der Restbezahnung nicht mehr möglich sind. Auch eignet sich die Modellgussprothese für das parodontal vorgeschädigte Gebiss, so dass nicht nur die fehlenden Zähne ersetzt werden, sondern auch das Schienen gelockerter Zähne möglich ist.

An einem Patientenbeispiel wird aufgezeigt, dass sich die Modellgussprothese als definitiver Zahnersatz für den älteren Menschen eignet, wenn dieselbe Restbezahnung adäquat geplant und parodontalhygienisch gestaltet wird. Wesentliche Vorteile ergeben sich aus dem nur gering-invasiven Vorgehen und der daraus resultierenden geringen Belastung eines möglicherweise multimorbiden älteren Patienten durch die zahnärztliche Behandlung. Über eventuell sichtbare Klammeranteile sollten die Patienten vorher informiert werden.

Kombiniert festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz: Basisgestaltung ist wichtig

Kombiniert festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz besteht aus einem festsitzenden Anteil, wie zum Beispiel Innenkronen oder fest zementierte Hybridanker. Die Prothese ist als herausnehmbarer Anteil gestaltet. Ihre Verankerung erfolgt über Doppelkronen, Hybridanker, Stege oder Geschiebe.

Dieser Zahnersatz muss jedoch so geschaffen sein, dass sowohl der festsitzende Anteil für Mundhygienemaßnahmen als auch der herausnehmbare Teil für Prothesenhygienemaßnahmen gut zugänglich sind. Auch sollten die Prothesen bezüglich des Einsetzens und Herausnehmens leicht handhabbar sein, da ältere Patienten in ihrer manuellen Geschicklichkeit und dem Sehvermögen häufig eingeschränkt sind.

Von außerordentlicher Bedeutung für die Prophylaxe von Parodontalerkrankungen und dem dauerhaften Erhalt der Pfeilerzähne ist die Basisgestaltung der Prothesen. Dabei ist dem Anschlussbereich des Pfeilerzahns zur Prothesenbasis, dem so genannten Grenzraum, besondere Beachtung zu schenken. Es werden zahntechnische Möglichkeiten für eine parodontalhygienische Verbindung zwischen Teleskopkronen und der Gerüstprothese aufgezeigt, die einen offenen Grenzraum ergeben und die korrekte Verarbeitung der beteiligten Prothesenwerkstoffe zulassen. Bei teleskopierenden Deckprothesen kann gegebenenfalls aus funktionellen Gründen keine Öffnung des Grenzraumes erfolgen, so dass zumindest durch eine entsprechende Ausarbeitung der beteiligten Werkstoffe glatte und übergangslose Oberflächen im Bereich der Sekundärkronen erzielt werden sollten. An einem Patientenfall werden die Folgen der unterschiedlichen Basisgestaltung aufgezeigt.

Insgesamt erfüllen Teleskop-Prothesen die an Zahnersatz für ältere Menschen gestellten Anforderungen. Aufgrund der Abnehmbarkeit der Konstruktionen sind sowohl die Primäranker als auch die Sekundäranker für häusliche und professionelle Mundhygienemaßnahmen gut zugänglich, wodurch parodontalen Erkrankungen der Pfeilerzähne, Karies und auch Erkrankungen der prothesenbedeckten Mundschleimhaut vorgebeugt werden kann. Infolge der sekundären Verblockung der Pfeilerzähne wird das Restgebiss stabilisiert und das Prothesenlager vor Überlastung geschützt. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil stellt die in den meisten Fällen problemlose Erweiterbarkeit oder Ergänzbarkeit dar, wodurch auch Pfeiler ungünstiger Prognose in die Konstruktion mit einbezogen werden können.

Zur Versorgung devitaler (pulpatoter) Pfeilerzähne haben sich wurzelkanalverankerte Halteelemente bewährt. Die darüber konstruierten Hybridprothesen beinhalten eine Vielzahl konstruktiver Möglichkeiten zur Versorgung eines extrem reduzierten Restgebisses. So gleichen diese Prothesen häufig einer Totalprothese, die allerdings nicht nur schleimhautgelagert, sondern auch dental abgestützt sind. Die Idee, auch Zahnwurzeln mit unsicherer Prognose im Kiefer zu belassen und darüber eine Totalprothese zu konstruieren, verfolgt das Ziel, die mit zunehmendem Zahnverlust und Lebensalter fortschreitende Resorption des Alveolarfortsatzes zu verlangsamen oder zu verhindern. Des weiteren weiß man heute, dass Patienten mit Hybridprothesen stärker, effektiver und sensibler kauen können als Totalprothesenträger. An Beispielen wird deren Einsatz zur Versorgung älterer Patienten erläutert.

Totalprothese – unphysiologische Belastung oraler Strukturen

Verliert der ältere Mensch seine letzten Zähne, wird die Versorgung mit Totalprothesen notwendig. In den meisten Fällen können heute bei ausreichend vorhandenem Prothesenlager funktionierende Totalprothesen eingegliedert werden. Dazu muss es gelingen, die künstlichen Zähne in ein funktionelles Gleichgewicht der Muskelkräfte von Zunge und Wange, dem so genannten Kauschlauch, zu

plazieren. Problematisch ist jedoch, dass die gesamten Kaukräfte über die Totalprothesen auf das Prothesenlager übertragen werden, wodurch diese oralen Strukturen unphysiologisch belastet sind.

Implantatverankerter Zahnersatz fördert die gesunde Ernährung

Eine bedeutende Weiterentwicklung bezüglich der Stabilisierung von Totalprothesen hat sich für ältere Menschen mit ungünstigen anatomischen Verhältnissen durch die Entwicklung der oralen Implantologie ergeben. Mit deren Hilfe ist es beispielsweise möglich, Totalprothesen über verschiedene Halteelemente zu verankern und so einen wesentlichen Beitrag zur Wiederherstellung der Kaufunktion und dem Schutz des Prothesenlagers vor Überlastung zu leisten. Auch können Implantate im reduzierten Lückengebiss zur Pfeilerervermehrung eingesetzt werden.

Unter Beachtung der Kontraindikationen sind Implantate auch beim älteren Menschen einsetzbar. Jedoch ist die Prognose nur dann positiv, wenn die Implantation bei einem motivierten und kooperativen Patienten mit guter Mundhygiene durchgeführt wird. Nachgewiesenermaßen tragen Implantate wesentlich zum Erhalt der Lebensqualität im Alter bei: Ältere Menschen mit implantatgestütztem Zahnersatz ernähren sich gesünder. Osseointegrierte Implantate bewähren sich über lange Zeiträume. Beispielhaft werden Verbindungselemente für implantatverankerten Zahnersatz vorgestellt.
Unverzichtbar: die Nachsorge

Eine regelmäßige und adäquate Nachsorge trägt bei Patienten aller Altersgruppen wesentlich zum Erhalt von Zähnen und Zahnersatz bei. Insbesondere bei älteren und mit Teilprothesen versorgten Menschen hat deren Vernachlässigung die deutliche Verschlechterung der parodontalen Verhältnisse der Restbezahnung zur Folge, während der Parodontalzustand der Ankerzähne bei systematischer Nachsorge auch bei Teilprothesen langfristig aufrecht zu erhalten ist. So sind Senioren bei entsprechender Motivation und Instruktion in der Lage, eine ausreichende Mund- und Prothesenhygiene zu betreiben. Bedauerlicherweise nehmen die meisten älteren Menschen die zahnärztliche Behandlung und Nachsorge zu selten in Anspruch. Dies ist ein beklagenswerter Umstand, der auf den dringenden Bedarf nach Verbesserung der zahnärztlichen Betreuung für diese Patientengruppe hinweist.

Fazit: Parodontalhygienische Gestaltung des Zahnersatzes ist wichtig

Die vorgestellten Therapiekonzepte erfüllen die Anforderungen an Zahnersatz für ältere Menschen und tragen entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität dieser Patientengruppe bei. Kauen, Schmecken und die Nahrungsaufnahme selbst sind wesentliche, angenehme und gefühlsbetonte Erlebnisse, die das Wohlbefinden gerade des älteren Menschen ausmachen. Der Zahnersatz sollte so gestaltet sein, dass auch der ältere Patient, der häufig in seiner manuellen Geschicklichkeit und in seinem Sehvermögen eingeschränkt ist, mit diesem gut zurechtkommt und ihn ausreichend zu reinigen vermag. Besonders sollte die parodontalhygienische Gestaltung der Grenzräume zwischen den eigenen und den ersetzten Zähnen beachtet werden. Eine regelmäßige Nachsorge muss von zahnärztlicher Seite vorhanden sein und sollte von den Senioren auch angenommen werden.

 

Abbildungen zu diesem Vortrag

(Quellenangabe für alle Fotos: Kuratorium perfekter Zahnersatz / Prof. Dr. H. Stark)

 

 

Ersatz der beiden mittleren unteren Schneidezähne durch eine Klebebrücke bei einem 75-jährigen Patienten

 

 

Totalprothese im Oberkiefer und Teleskopprothese mit offenen, gut reinigbaren Grenzräumen im Unterkiefer bei einem 79-jährigen Patienten

Korrespondenzadresse:

Herrn Prof. Dr. Helmut Stark
Zentrum für ZMK
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn

 

Quelle: Zahnersatz aktuell - Informationen des Kuratoriums perfekter Zahnersatz

Weitere Informationen:
Wer Biss hat, bleibt jung - Wissenswertes