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Entwicklungshilfe für den Knochen

Ein zahnloser Kieferknochen beginnt mit der Zeit zu schrumpfen. In solchen Fällen muss der Knochen vor oder während einer Implantation aufgebaut werden.

Darüber sprach proDente mit Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, Pastpräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e.V.

 

 

Mit welchen Materialien wird Kieferknochen wieder aufgebaut?

Wir können den Kiefer entweder mit körpereigener Knochensubstanz oder Knochenersatzmaterialien aufbauen. Die letzteren werden aus natürlichen Vorstufen wie Rinderknochen, Korallen oder Algen gewonnen oder synthetisch hergestellt. Prinzipiell kann auch auf menschlichen Spenderknochen aus Knochenbanken zurückgegriffen werden.

In welchen Fällen verwendet man körpereigenen Knochen?

Als Faustregel gilt: Je mehr Knochensubstanz fehlt, desto größer ist der Bedarf an körpereigenem Knochen. In den meisten Fällen genügt es jedoch, wenn körpereigene Knochensubstanz mit einem Ersatzmaterial gemischt wird, um den Kiefer aufzubauen.

An welchen Stellen gewinnt man ihn?

So genanntes »Bohrmehl« fällt natürlicherweise bei der Vorbereitung des Implantatbetts an. Kleine Späne entnehmen wir aus dem benachbarten Kieferkamm, Knochenstücke von maximal zwei Zentimetern aus den hinteren Abschnitten der Kiefer oder dem Kinnbereich. In seltenen
Fällen brauchen wir noch größere Stücke. Diese müssen dann aber beispielsweise aus dem Beckenknochen entnommen werden.

Eignet sich jeder Kiefer für einen Knochenaufbau?

Grundsätzlich ja. Das Ausmaß des Knochenmangels und der individuelle Zustand von Zahnfleisch und Schleimhaut bestimmen allerdings den chirurgischen Aufwand, der für den Aufbau erforderlich ist.

Wie lange dauert die Behandlung?

Wenn der Knochen bei der Implantation der künstlichen Zahnwurzel - quasi in einem Eingriff - aufgebaut werden kann, ist die Behandlungsdauer natürlich deutlich kürzer als wenn der Knochen erst aufgebaut werden muss und danach die Implantation erfolgt.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Erfolgsaussichten sind bei einer komplikationslosen Einheilung der Knochensubstanz sehr gut. Bei sehr großen Knochenschäden und einem extremen Knochenschwund ist jedoch vor allem im Oberkiefer das Risiko erhöht, dass einzelne Implantate verloren gehen.

Wird Kieferknochen auch außerhalb des menschlichen Körpers gezüchtet?

Bisher kann man Zellen aus dem Unterkiefer- oder dem Beckenknochen gewinnen, im Laborvermehren und in dreidimensionale Gerüste einsiedeln, die implantiert werden. Die gezüchteten Zellen sollen die Regeneration des umgebenden Knochens unterstützen. Allerdings stecken diese Ansätze in den Kinderschuhen und sind noch nicht reif für die Anwendung an Patienten.

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Quelle: ZÄHNE UNSER KÖRPER: WAS ZÄHNE ÜBER IHN VERRATEN
Eine Sonderveröffentlichung der Initiative proDente e.V. in der Süddeutschen Zeitung
Bilder: Initiative proDente e.V.