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Der moderne Patient: aufgeklärt u. selbstbestimmt?

„Der moderne (Zahn-)Patient: aufgeklärt und selbstbestimmt?“
Expertengipfel zu Beratung und Information bei Zahnersatz in Berlin

Auto, Rasierer oder Zahnersatz: Entscheidungen sind emotional

Fazit: Rolle und Wünsche des Patienten ändern sich – Einfühlung und persönliche Beratung sind stärker gefordert

Das neue Auto, der Rasierer oder Zahnersatz: Emotionen sprechen bei jeder Entscheidung eine gehörige Rolle mit. Beim Expertengipfel anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Kuratoriums perfekter Zahnersatz am Donnerstag, 16. Oktober, in der Urania Berlin gab es beim Vortrag aus der Hirnforschung etliche „Aha“-Erlebnisse. Außerdem tauschten sich Experten von Beratungsstellen, BZÄK, Techniker Krankenkasse und Unabhängiger Patientenberatung über „gute Beratung“ aus und hinterfragten, was Patienten erwarten, wenn sie beraten werden.

„Es gibt keine rein rationalen Entscheidungen“, sagte Bernd Werner, Experte für Neuromarketing und Vorstand der Gruppe Nymphenburg Consult AG bei seinem Vortrag „Blick hinter die Stirn – wie man entscheidet“. „Der Homo oeconomicus, der wirtschaftlich denkende und rational handelnde Mensch, existiert nicht. Jede unserer Handlungen ist emotional begründet, selbst wenn es um vermeintlich rein technisch geprägte Produktfelder geht. Die Entscheidung für oder gegen ein Produkt oder eine Behandlungsmethode fällt auf rein emotionaler Ebene.“ Patienten in der Beratung zu unterstützen bedeute deshalb auch, sich in den anderen einzufühlen und emotional zu berühren.

Wie wichtig gerade die persönliche Beratung ist, betonte auch Professor Dr. Hans-Christoph Lauer, Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik ZZMK der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt und Leiter des Wissenschaftlichen Beirats des KpZ. „Eine gute Patienteninformation ist immer individuell und orientiert sich am Befund sowie an den Wünschen des Patienten. Sie sollte neutral und umfassend sein, wie es sich das Kuratorium seit 25 Jahren auf die Fahnen geschrieben hat.“

„Patient will Behandler auf Augenhöhe begegnen“

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, hat in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme der Patientenorientierung im deutschen Gesundheitssystem bemerkt. Das traditionelle Arzt-Patienten-Verhältnis mit alleiniger Entscheidungssouveränität des Arztes ist demzufolge einer eher partnerschaftlichen Beziehung gewichen. „Der Patient will seinem Behandler auf Augenhöhe begegnen, er will in einen Dialog treten und sich keinen Monolog des ‚Halbgottes in Weiß‘ anhören“, ist er überzeugt. „Wir haben es heute mit stärkeren partizipativen Entscheidungsprozessen zu tun, wodurch auch die Eigenverantwortung des Patienten wächst.“

Auch auf Krankenkassenseite sind diese neue Rolle und das sich verändernde Bewusstsein des Patienten deutlich erkennbar. „Patienten respektive Kunden sind heute – auch ihrem Zahnarzt gegenüber – wesentlich kritischer als noch vor ein paar Jahren. Sie neigen eher dazu, eine Zweitmeinung einzufordern“, beschrieb Karen Walkenhorst die Situation. Sie ist bei der Techniker Krankenkasse unter anderem für medizinische Informationen verantwortlich. Den messbar gestiegenen Beratungsbedarf führt sie auch auf die gesellschaftlich gestiegene Bedeutung perfekt aussehender Zähne zurück.

Zahlreiche Patienten wenden sich außerdem an unabhängige Patientenberatungsstellen. Die unabhängige Patientenberatung Deutschlands (UPD) berät im gesetzlichen Auftrag rund um das Thema Gesundheit – bei rechtlichen und medizinischen Fragen sowie bei psychosozialen Problemen im Umgang mit Krankheiten. „Unser Angebot ist kostenfrei, neutral und unabhängig“, erläuterte Gregor Bornes, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Patientenberatungsstellen (BAGP).

Fazit: Trotz breitem Angebot ist noch viel zu tun„Es gibt ein breites Angebot für Patienten und eine hohe Bereitschaft, optimal zu informieren“, bilanzierte Moderatorin Dr. Karin Uphoff nach der Diskussion. „In der nahen Zukunft werden uns zwei Dinge stark beschäftigen: das sich verändernde Bewusstsein der Patienten und die Vielzahl von Informationskanälen, wie sie im Internet zu finden sind. Es gibt noch viel zu tun, damit wir auch die Menschen vermehrt erreichen, die verunsichert sind und möglicherweise Angst vor einer prothetischen Behandlung haben. Unser Austausch heute bietet dazu viel Stoff zum Nachdenken – herzlichen Dank für Ihre Offenheit.“

Quelle: Kuratorium perfekter Zahnersatz e.V.
Weitere Statements der Referenten zum Expertengipfel

 

Innung vor Ort: Erwin Behrend (Vorstand und Landeslehrlingswart der Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg); RAin Judith Behra (Geschäftsführerin der Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg) und Generalsekretär Walter Winkler des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI)

 

Diskussion zur Zukunft der Beratung, Moderation Dr. Karin Uphoff Über ihre Erfahrungen berichten und diskutieren: Prof. Dr. Dietmar Oesterreich (Vizepräsident der BZÄK), Gregor Bornes (Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Patientenberatungsstellen) und Karen Walkenhorst (Techniker Krankenkasse) sowie Prof. Dr. Hans-Christoph Lauer (Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik ZZMK der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt).

 

Im Publikum: Der Landesinnungsmeister Rainer Struck und der stellvertretende Landesinnungsmeister Thomas Lüttke (Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg)

 

 

 

 

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