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Älter werden,jung bleiben -Zahnersatz gehört dazu!

Älter werden, jung bleiben – Zahnersatz gehört dazu!

PD Dr. Ina Nitschke, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde, Universität Leipzig

Der Anteil der betagten und hochbetagten Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt in den Industrieländern stark an, so dass auch bei der zahnärztlichen Versorgung die Probleme dieser Bevölkerungsgruppe vermehrt in den Vordergrund gerückt werden müssen.

Mundgesundheit bei Senioren: Pflege oft unzureichend
Immer mehr Senioren treten mit Zähnen und Zahnersatz in den Ruhestand ein, jedoch gibt es in der Mundgesundheit der Betagten und Hochbetagten große Defizite. Zwischen der Dritten (1997) und der Vierten (2005) Deutschen Mundgesundheitsstudie reduzierte sich bei den jungen Senioren (65 bis 74 Jahre) die Zahnlosigkeit, ebenso sank die Anzahl der fehlenden Zähne. Aber viele der Senioren litten an Entzündungen des Zahnfleisches, der Zahnhalteapparat war erkrankt. Die Erfolge der oralen Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nützen natürlich wenig, wenn im dritten (65 bis 74 Jahre) und vierten Lebensabschnitt (ab 75 Jahre) die über Jahrzehnte aufwändig erhaltenen Zähne nicht mehr gepflegt und behandelt werden.

Auswirkungen auf die Ernährung, die Aussprache und die charakteristischen Gesichtszüge
Der Zahnverlust wirkt sich auf die Physiognomie, die Lautbildung, die Funktion der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke, das Kauvermögen und damit verbunden auch auf den Ernährungszustand aus. Die verbleibenden natürlichen Zähne können durch die fehlende Abstützung im Lückengebiss fehl- oder überbelastet werden. Immer mehr Studien zeigen, dass es zwischen allgemeinmedizinischen Erkrankungen (z. B. Pneumonien, kardio-vaskuläre Erkrankungen) und der Mundgesundheit Zusammenhänge gibt, so dass eine gute Mundgesundheit für die allgemeine Gesundheit wichtig ist.

Schmerzen führen teilweise bis zum Verzicht auf soziale Kontakte
Da der Zahnverlust meist nach und nach auftritt, vermindert sich auch die Kaufunktion meist nur schleichend, der Senior selbst bemerkt die Veränderungen deshalb eher selten. Dennoch werden das allgemeine Wohlbefinden, die allgemeine Zufriedenheit und die Lebensqualität negativ beeinflusst. Beispiele hierfür sind Zahnschmerzen, Mundgeruch oder schlecht sitzende Prothesen. Menschen, denen es schwer möglich ist, eine zahnärztliche Versorgung zu erhalten, leiden manchmal so stark, dass sie sämtliche soziale Bindungen und Kontakte abbrechen.
Besonders bei den Patienten, bei denen mehrere chronische Erkrankungen diagnostiziert wurden, treten im Alltag die zahnmedizinischen Belange (z. B. intensive Mund- und Prothesenhygiene, Kontrollbesuche beim Zahnarzt mit individuellen Prophylaxemaßnahmen und Sanierung nicht Schmerz auslösender Zahndefekte) in den Hintergrund. Aufgrund dieser, aus Sicht des Patienten nachvollziehbaren, Vernachlässigung des Gebisses besitzen teilweise die Patienten in der geriatrischen Rehabilitation, oder auch die neu aufgenommenen Bewohner von Senioreneinrichtungen, ein massiv desolates Gebiss.

Prävention ist auch bei Hochbetagten von großer Bedeutung
Es ist daher zum einen sehr wichtig, dass die noch gesunden Senioren als zukünftige Risikopatienten erkannt und in die zahnmedizinischen Präventionsprogramme aufgenommen werden. Zum anderen ist es ebenso wichtig, Senioren mit zunehmender Gebrechlichkeit, die Notwendigkeit einer lebenslangen Mundgesundheit zu verdeutlichen und den Zugang zur zahnmedizinischen Betreuung zu erleichtern. Ist alles im Mund gesund, kann der ältere Mensch gewiss sein, dass keine Erkrankung im Mund Ursache für eine allgemeinmedizinische Erkrankung sein kann. Sollte eine allgemeinmedizinische Erkrankung akut auftreten, wie etwa ein Schlaganfall, ist bei kontinuierlichem Zahnarztbesuch außerdem davon auszugehen, dass der Senior sich während seiner Genesung und Rehabilitation nicht noch zusätzlich mit einem Problem im Mund auseinandersetzen muss.

Somit ist es wünschenswert, dass alle Senioren eine gute Mundgesundheit aufweisen und immer up-to-date im Mund sind.

Korrespondenzadresse:

PD Dr. Ina Nitschke, MPH
Bereich Seniorenzahnmedizin
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
Universität Leipzig
Nürnberger Straße 57
04103 Leipzig


Quelle: Zahnersatz aktuell - Informationen des Kuratoriums perfekter Zahnersatz

Weitere Informationen:
Wer Biss hat, bleibt jung - Wissenswertes